Verantwortung zu übernehmen, das ist ein Grundprinzip der Pfadfinder. Sie haben eine Verpflichtung sich selbst gegenüber, ihren Mitmenschen gegenüber und Gott gegenüber, erläutert Matthias Spenn. Dafür stehen auch beim Pfad­findergruß der ausgestreckte Ring-, Mittel- und Zeigefinger. Der Daumen wird dabei auf den kleinen Finger gelegt. Das soll den Schutz des Starken für den Schwachen symbolisieren.

„Zuerst gab es nur das Som­merlager, dann haben wir mit Gruppenstunden begonnen", blickt Matthias Spenn zurück. Arbeit in kleinen Gruppen ist die Grundform der Pfadfinder.

Die Gruppenführer sind nur wenig älter. Die Jugendlichen sollen ihre eigenen Regeln aufstellen, sie sollen Natur erleben, Verantwortung übernehmen. In den ersten Jahren mussten die Erwachsene die Auf­gaben der Gruppenleiter übernehmen, inzwischen aber sind

Jugendliche herangewachsen, die sehr gut die etwas Jüngeren leiten können. Dazu gehören auch Matthias Spenns Söhne. Prinzip: "Learning by Doing"

In den meisten Pfadfinderstämmen treffen sich die Kinder und Jugendlichen einmal in der Woche. „Das war aber nicht lange umzusetzen. Die Jungen haben lange Schulwege, viele spielen noch Fußball oder lernen an der Musikschule. Und in dieser dünn besiedelten Gegend müssen die Jungen auch noch gefahren werden."
„Die Jungen kommen aus einem Umkreis von etwa 20 Kilometern", sagt August Spenn, einre von Matthias Spenns Söhnen. Zwar sind viele aus Behnsdorf, Hörsingen und Hödlingen, den weitesten Weg ein Ochtmersleber. Deshalb trifft sich der Stamm alle sechs bis acht Wochen zu einem Wochenende. Die Jungen beschäftigen sich in kleinen Gruppen, in der Sippe oder Meute, wie das bei den Pfadfindern heißt. Hier können sie Erfahrungen machen, jedr ist auf sich selbst gestellt, jeder kann was gestalten, und was zählt ist das Gemeinsame. Es gilt das Prinzip "Learning by doing", zu deutsch Lernen durch Tun.

Während sich die Pfadfinder in der kälteren Jahreszeit in festen Gebäuden treffen, werden in der wärmeren Jahreszeit die Kohten und Jurten im Wald aufgebaut. Kohten sind die Zelte der Gruppen, Jurten die runden Zelte für grö­ßere Gruppen. Und den Aufbau müssen die Jungen allein bewältigen.

Seit fünf Jahren gibt es eine eigene Stammesleitung der Ju­gendlichen, die Jungen aus den Anfangsjahren sind herange­wachsen. In den ersten Jahren haben Erwachsene die Leitung übernommen, um erst einmal Strukturen aufzubauen. Alljährlich wird in einer Stammesversammlung die Leitung gewählt. Neben Au­gust Spenn gehören Moritz Putz und Jan Vollmann aus Hörsingen gegenwärtig zur Stammesleitung. „Wir treffen uns regelmäßig mit den Grup­penleitern und besprechen die Wochenenden", erzählt August Spenn. „Wir planen Projekte. Meist setzen wir uns inhalt­lich Themen, organisieren Geländespiele, bei denen die Sippen gegeneinander antreten, wir essen und gemeinsam", sagt der 18-Jährige. „Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt" ist
einer der wichtigsten Sätze von Robert Baden‑Powell.

Michael Herrmanns, der „Lagerkoch", der auch die Homepage der Pfadfinder be­treut ist einer der wenigen Erwachsenen. Er nimmt den Jungen aber die Arbeit beim Essenzubereiten nicht ab, sie müssen auch den Tisch decken und abwaschen. Und es gilt: Gegessen wird gemeinsam, und keiner steht auf, bevor alle fertig sind.

Das nächste Pfadfinder-Wochenende ist für Mitte Februar angesetzt, dann treffen sich alle im Mauritiushaus in Nie­derndodeleben. Am Wochenende Ende Juni soll der 10. Geburtstag gefeiert werden. Seit einigen Jahren hat der Stamm auch einen Namen - er hat sich „Fratres Tiliae" genannt, was Brüder der Linden bedeutet.

In der warmen Jahreszeit bauen die Pfadfinder ihre Zelte auf einem Grundstück auf, das

der evangelischen Kirchengemeinde Behnsdorf gehört. Die Kirchengemeinde unterstützt den Stamm sowohl organisa­torisch als auch mit dem Platz im Wald. Finanziell steht der Kirchenkreis Haldensleben­-Wolmirstedt dem Stamm zur Seite. Denn der Behnsdorfer Stamm gehört zum Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP).

In der ersten Ferienwoche, und zwar vom 20. bis 25. Juli, gibt es 2014 ein Sommercamp, das offen ist für alle Jungen und Jugendlichen ab acht Jah­re. „Wer sich für die Pfadfinder interessiert, für den wäre das Sommercamp ein guter Ein­stieg", sagt Matthias Spenn.

Alle vier Jahre wird ein großes Bundeslager der Pfad­finder veranstaltet. In diesem Jahr wird eins in Schachen bei Stuttgart stattfinden. Etwa 4000 Pfadfinder werden zusam­menkommen. Auch Behnsdorfer werden dabei sein. Zehn Tage lang werden sich die Pfad­finder mit dem Thema „Indust­rielle Revolution" beschäftigen. Dabei wohnen sie wie üblich in ihren Kohten. Und sie müssen für sich selbst sorgen, müssen auch selbst kochen 2015 steht ein internationales Treffen in Japan an. Dafür haben sich Paul Schulze und Niklas Busch­ke vom Stamm „Fratres Tilae" bereits angemeldet.