Jungencamp 2005 in Tagersdorf

Die Jungen, die beim diesjährigen Sommercamp der Behnsdorfer Pfadfinder vom 15.-20. Juli 2005 dabei waren, hatten auf der Rückreise in ihrem Gepäck unter anderem eine bemalte Gipsmaske und einen unscheinbar-hässlichen grauen Schlackestein. Beides hatte mit der thematischen Gestaltung des Camps zu tun. Die Gipsmaske war ein Abdruck des eigenen Gesichts, den die Jungen sich gegenseitig anfertigten. Sie gestalteten die Maske dann mit indianischen Motiven und tanzten zur Trommel indianische Tänze. „Leben wie Indianer“ war die Überschrift des Camps, das die 21 Jungen im Alter zwischen 8 und 17 Jahren und ihre drei erwachsenen Begleiter am Beginn der diesjährigen Sommerferien nach Tangersdorf bei Lychen im Norden Brandenburgs führte. Auf dem Gelände eines ehemaligen Betriebsferienlagers inmitten von Kiefernwäldern stellten die Pfadfinder ihre Zelte auf und errichteten eine Feuerstelle, die in den sechs Tagen nicht erlöschen sollte. Neben der Sorge für das tägliche Leben – Holzmachen für das Feuer, Kochen auf der Feuerstelle, eigenes Sauberhalten des Platzes, der Kohten (Pfadfinderzelte) und der Toiletten – stand viel Interessantes auf dem Programm. So hatten die älteren Jungen, die zum Leitungsteam gehörten, Informationen über die nordamerikanischen Indianer vorbereitet, die die meisten noch nicht kannten. Anhand einer Landkarte wurde über die Geschichte der Stämme der Irokesen,  Comanchen,  Apachen und Sioux informiert und das Wissen in einem Quiz getestet. Eigens gestaltete T-Shirts dienten als besondere Kleidung und der Federschmuck fehlte auch nicht. Daneben wurde viel gebadet, ein Fußballturnier durchgeführt, Volleyball gespielt, gelacht und gesungen. Weitere Höhepunkte waren das abendliche Vorlesen am Feuer, die Nachtwachen, die Nachtwanderung und in der letzten Nacht das Schlafen am Feuer unter freiem Himmel. Zuvor allerdings fand ein Ausflug statt, der mit dem grauen Schlackestein zu tun hatte. Die Steine sind vom riesigen Gelände des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers in Ravensbrück, das die Gruppe besuchte. Alle Teilnehmer waren ziemlich erschüttert über die Grausamkeiten, die dort Menschen an anderen Menschen verübten: Mehr als 130.000 Frauen wurden in diesem Lager zwischen 1939 und 1945 gequält, entwürdigt, ausgebeutet und viele von ihnen umgebracht. Der graue Schlackestein im Gepäck der Jungen ist Erinnerung und Mahnung zugleich, denn jeder ist heute dafür mitverantwortlich, dass so etwas nicht wieder passieren kann. Und Pfadfinder, die im Nationalsozialismus schon 1933 verboten wurden, setzen sich laut ihrem Versprechen besonders dafür ein, die Welt besser zu hinterlassen, als sie sie vorgefunden haben. Und die Teilnehmer des Camps sind dankbar für diesen Start in die Sommerferien, den der Evangelische Kirchenkreis und der Landkreis Ohrekreis mit finanziellen Förderungen ermöglichten.

  Jungencamp 2005